Die Vision am Boden – Ein Bauschild und seine Geschichte

Ist das Kunst oder muss das weg? Wo ist hier die Grenze zu ziehen und vor allem wer ist in der Lage über diese Frage zu entscheiden? Wenn es nach der Fächer GmbH geht ist die Antwort eine ganz einfache: der Grundstückseigentümer.

Doch Kunst lässt sich nicht so leicht wegverordnen. Kunst darf und muss unbequem sein. Die besondere gesellschaftliche Rolle des Kunstwerkes liegt dabei schon im Grundgesetz, Art. 5 III Kunstfreiheit, begründet.

Und wo sonst soll und darf Kunst als Mittel der Gegenwartsreflexion in den Vordergrund treten, wenn nicht auf dem Gelände des Kreativpark Alter Schlachthof Leitbild? Mit einem repräsentativen Bauschild wollten wir unserer Zukunftsvision für den Kreativpark ein Gesicht geben. In langer liebevoller Arbeit entstanden die Futuristische Grafik, mit ihren exzentrischen Bauwerken und den notwendigen fiktiven Investoren und Bauträgern. Mit der Hilfe vieler stiller Teilhaber aus der Mieterschaft des Schlachthof Geländes konnten wir unsere Vision schließlich realisieren. Ein Geschenk für die Öffentlichkeit und Kulturlandschaft Karlsruhes.
Und als es endlich stand am Montag den 8. August um 10 Uhr früh waren wir restlos begeistert über die ersten irritierten Reaktionen der Passanten.

Doch die Freude währte nur kurz, alarmiert von einem verwunderten Nachbarn rückten nur 30 Minuten später die Hausmeister des Geländes, ausgesandt von der Fächer GmbH, an. Ihr Auftrag war klar: Demontage, sofort! Ohne Hintergründe in Erfahrung zu bringen – einfach weg damit.

Wir waren aufgeflogen und mussten uns als Initiatoren zu erkennen geben.

Es folgte ein kurzes Telefonat mit der Fächer GmbH, bei dem wir nachdrücklich aufgefordert wurden dieses Schild unverzüglich zu entfernen, da es zu Irritationen bei potenziellen Investoren führen könnte, andernfalls würde es auf unsere Kosten demontiert.

Als Kompromiss und Zugeständnis, für die Ängste der Fächer GmbH, stellten wir eine 24 stündige Mahnwache vor das Schild um leichtgläubige Passanten vor dem Kunstwerk zu warnen.

Dennoch alle unsere Bemühungen in einen Dialog mit der Fächer GmbH zu treten und sie von der künstlerischen Kraft unserer Installation zu überzeugen, trafen auf Ablehnung. Und so rückten am Dienstag gegen 15 Uhr die Bauarbeiter zur Demontage an. Auch die von uns hinzugezogene Polizei, welche trotz ihres Kunstverständnisses, vor Ort keine Möglichkeit sah als den Bautrupp gewähren zu lassen. Dass die Fächer GmbH uns auf der einen Seite Gefährdung der Verkehrssicherheit vorwirft, auf der anderen Seite allerdings nicht wirklich auf die Arbeitssicherheit bei von ihnen Beauftragten Firmen achtet, nehmen wir mal als Randnotiz. So nahm der Abbau seinen Gang.

Alles in Allem war diese Aktion und die darauffolgende Reaktion mal wieder ein Lehrstück über die absurde Mentalität die hier an vielen Stellen der öffentlichen Verwaltung herrscht. Warum hier nicht mit mehr Um- und Weitsicht gehandelt wurde ist uns bis heute schleierhaft. Eine Verwaltung sollte nicht nur von Angst vor Fehlern bestimmt sein, sondern so viel Flexibilität bieten, auf Eigeninitiativen aus der Bevölkerung, angemessen zu reagieren oder zumindest dialogbereit zu sein.

Eins bleibt klar, mit so einer Einstellung wird Karlsruhe nicht so schnell Kulturhauptstadt Europas.

Die Überreste der Installation sind für Interessierte, während den regulären Öffnungszeiten, im Foyer des PERFEKT FUTUR zu besichtigen.

Wir möchten uns außerdem noch einmal an dieser Stelle bei den vielen stillen Sponsoren, Unterstützern, unserem tollen Team, den Bewohnern des Alten Schlachthof und des PERFEKT FUTUR sowie unseren Freunden für die kräftige Unterstützung bedanken!

DAS BAUSCHILD BEI KA-NEWS: http://www.ka-news.de/region/karlsruhe/Karlsruhe~/Aufregung-im-Alten-Schlachthof-Was-hat-es-mit-diesem-Schild-auf-sich;art6066,1933108