Emotionsdesign.

Steht für Emotionen, Gefühle, wagemutige Aktionen, viel überlegen was zu viel überlegt wird, waghalsige Gedankengänge, begehren was begehrenswert ist.
Alles ausprobieren.
Wir sind für alle Emotionen, alles Emotionale. Kann man zu viel fühlen? Sich zu sehr nach übergroßen Emotionen sehnen?
Suchtmachende Stoffe führen einen in die Wirrgänge der Gefühle ein, verstärken alle Emotionen. Lassen einen die Zwänge des Alltags vergessen und alles Schwere abfallen.
Klingt gut, auf den ersten Blick. Auf den ersten Versuch.

Wir haben uns letzte Woche für drei Tage mit all diesen Gedanken beschäftigt, da sieben Exuser ihre Erfahrungen mit uns geteilt haben.
Unser Auftraggeber, das Präventionsbüro der Stadt Karlsruhe, leistet schon seit Jahren tolle Arbeit, indem das Team der Suchtberatung nicht mit gehobenem Zeigefinger alle Suchtmachenden Stoffe verbietet, sondern freundschaftlich aufzeigt, erklärt und aufklärt, was Drogen auslösen und bewirken können.
Wir sind sieben Menschen an sieben verschiedenen Orten begegnet und haben jedes Mal eine fülle an Erfahrungen voller Neugier, Lebenslust, neue Persönlichkeiten, aber eben auch Verlust, Enttäuschung und Lebensüberdrüssigkeit, erzählt bekommen.
So viele tiefe Eindrücke in einer Stunde, die viel zu schnell verging.

Die Sucht beginnt in der Absichtslosigkeit, der Neugier und Ahnungslosigkeit.
Bei nahezu Allen war dieser Moment geprägt von dem Verlangen nach Anerkennung, nach Dazugehörigkeit. Wir haben gefragt wie es zum ersten Kontakt mit Drogen gekommen ist und wie zu Weiteren.
Warum das Verlangen vorhanden war, diese Stoffe auszuprobieren.
Es kommt zur Absichtsbildung, wenn man merkt, dass man den Konsum nicht mehr kontrollieren kann, der Körper sich nach den fremden Stoffen verzehrt.
Die Stimmung war geprägt von Unruhe, Selbstzweifel und vor allem durch die Erkenntnis des Kontrollverlusts. Man ist nicht mehr Herr über seinen Körper. Alles wird unwichtig, außer die Fragen wie und wann man den nächsten Konsum gewährleisten kann. Der Übergang vom zwanglosen Konsum zur nicht mehr rückgängig machenden, Sucht ist fließend.

Es entwickelt sich der Gedanke, der Wunsch aus dieser Lebensweise zu entkommen.
Die Frage wann der Entschluss eines Drogenentzugs entstand, wurde von Allen unterschiedlich beantwortet. Gemeinsam war, dass sie nicht mehr zufrieden waren mit der Abhängigkeit, welche Ihre Leben vereinnahmte.
Persönliche Ziele und Träume wurden in den Hintergrund gedrängt.
Als die Erzählenden auf den tatsächlichen Entzug zu sprechen kamen, erkannten wir wie viele Möglichkeiten es gibt, süchtig zu sein und wieder zu entfliehen. Das Einschließen im eigenen Zimmer, zur Selbstdisziplinierung, über den Verbleib in einer Entzugsklinik, bis hin zu mehrmaligen gescheiterten Versuchen den Entzug der Drogen aufrecht zu erhalten. Jeder macht es auf seine Art, hat persönliche Wege den Entzug durchzustehen, sowie ihn aufrechtzuerhalten. Diesen Weg zu finden und zu gehen ist ein langer, mühsamer Prozess, bei dem der Beistand und die Hilfe der
Suchthilfe in all diesen Momenten hilft.

Diese Erfahrungen sind Momente, die sich in Körperhaltung, Gestik und Augen widerspiegeln. Sie sind ehrlich und schmerzvoll und echt. Wir haben unfassbaren Respekt vor allen Mitwirkenden, die sich von uns filmen ließen, ohne Versteck- oder Ausweichmöglichkeiten. Vielen Dank!